Kaisten sagt mit grosser Mehrheit Ja zum Kredit von 6,25 Mio. Franken für den Neubau eines Zentrums für Kinderbetreuung. Ebenfalls gutgeheissen wurde an der Gemeindeversammlung von Freitagabend der Kauf eines neuen Pionierfahrzeugs für die Feuerwehr.
JÖRG WÄGLI
Grossaufmarsch an der Gemeindeversammlung in Kaisten. 176 der total 2010 Stimmberechtigten (8,7 Prozent) fanden den Weg in die Mehrzweckhalle. Auf der Traktandenliste standen zwei zentrale Projekte, «die nicht nur unsere Infrastruktur stärken, sondern auch nachhaltig in die Zukunft unserer Kinder und die Sicherheit unserer Gemeinde investieren». Dies schrieb der Gemeinderat in der Einleitung zur Versammlungsbroschüre.
Um die Sicherheit ging es beim Kredit für die Ersatz-Beschaffung eines neues Pionierfahrzeugs für die Feuerwehr im Betrag von 360'000 Franken. Das bisherige Fahrzeug hat mittlerweile 25 Jahre auf dem Buckel, der Unterhalt wird immer kostspieliger und zudem wird es nicht mehr allen Anforderungen gerecht. Das Aargauische Versicherungsamt AVA unterstützt die Ersatzbeschaffung mit einem Betrag von rund 75'000 Franken. Der Bruttokredit war an der Versammlung in Kaisten unbestritten und wurde mit grosser Mehrheit gutgeheissen.
Neues Zentrum für Kinderbetreuung – Ja im zweiten Anlauf
Um die Kinder ging es beim Bau eines neuen Zentrums für Kinderbetreuung in unmittelbarer Nähe zur Schulanlage. Hier dauerte es etwas länger, bis die Stimmberechtigten, ebenfalls mit grosser Mehrheit, dem Kredit von 6,25 Mio. Franken zustimmten. In einer rund 40-minütigen Diskussions- und Fragerunde wollten Versammlungsteilnehmende vor allem finanzielle Fragen (Folgekosten, Finanzplan, Kostendeckung Elternbeiträge für Tagestruktur usw.) sowie Fragen zu Raumreserven und Verwendung der bisherigen Räumlichkeiten beantwortet haben. So erläuterten Gemeinderätin Manuela Merkofer und Gemeindeammann Oliver Brem etwa, dass für die Tagesstrukturen (inkl. Mittagstisch) und Spielgruppe kostendeckende Elternbeiträge verlangt würden. Abzüglich an finanzschwache Familien gewährte Preisnachlasse (auf Antrag der Betroffenen) würden die eingehenden Beiträge die Kosten insgesamt zu 80 Prozent decken. Auch bei den Raumreserven konnten die Ratsmitglieder beruhigen. Diese seien für die nächsten Jahre, unter Berücksichtigung eines weiteren Wachstums der Gemeinde, vorhanden. Und bezüglich frei werdender Räumlichkeiten (etwa Bibliothek sowie Tagestrukturen im bestehenden Schulhaus, Spielgruppe in ehemaligen Schulhaus Ittenthal) informierte Manuela Merkofer, dass die weitere Nutzung im Rahmen der Liegenschaftenstrategie geklärt werde.
Insgesamt fielen die vom Ratstisch erteilten Antworten und Auskünfte offenbar zur Zufriedenheit der grossen Mehrheit der Anwesenden aus, so dass diese schliesslich klar Ja zu einem zeitgemässen Betreuungsangebot sagten. Nebst Tagestrukturen, Spielgruppe und Bibliothek wird auch eine privatgeführte Kindertagesstätte in den Neubau einziehen, bzw. hier Räumlichkeiten mieten. Eine entsprechende Absichtserklärung liegt bereits vor. Bezugsbereit soll der Neubau auf das Schuljahr 2028/29 sein. Vor vier Jahren war ein Neubauprojekt von den Stimmberechtigten noch abgelehnt worden. Besonders der damals zusätzlich geplante Wohnungsbau durch die Gemeinde war Stein des Anstosses gewesen. Im aktuellen Projekt, dessen Kosten im Laufe der Planung von ehemals rund 9 Mio. Franken durch eine Verzichtsplanung auf die aktuellen 6,25 Mio. Franken abgespeckt wurde, wird auf Wohnraum verzichtet und es bestehen noch Freiflächen als Reserve.
Hoch verschuldete Wasserkasse
An der Versammlung ebenfalls gutgeheissen wurden die Kreditabrechnung über die Neugestaltung Dorfplatz Mitteldorf sowie die Rechnung 2025 der Einwohnergemeinde. Letztere schloss mit einem Auswandüberschuss von rund 116'000 Franken und damit rund 227'000 Franken besser als budgetiert ab. Beim Rechnungsabschluss 2025 wies Ruedi Näf, bis Ende letzten Jahres Finanzkommissionspräsident, auf die immer stärker verschuldete Wasserkasse hin. So seien deren Schulden letztes Jahr nochmals um über 230'000 Franken auf mittlerweile 4,35 Mio. Franken gestiegen. Zudem bestehe ein klares Missverhältnis zwischen Grundgebühren und Wasserzins. Die Grundgebühren seien im Verhältnis zu den verbrauchsabhängigen Kosten für das Wasser viel zu tief. Eine Meinung, die auch der Preisüberwacher vertrete. Wie Gemeindeammann Oliver Brem sagte, sei bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich dieser Problematik rund um die Finanzen der Wasserversorgung angenommen habe.
«Ballenberg-Stempel»
Unter «Verschiedenes» stellten Daniel und Sandra Zemp aus Ittenthal einen Überweisungsantrag betreffend Baubewilligungsverfahren in der Dorfkernzone des Ortsteils Ittenthal. Die aktuellen Verfahren seien, nicht zuletzt aufgrund des ISOS (Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz) zu lange, zu teuer und ISOS werde zu streng angewendet. «Man kann nicht alles verbieten. Hier muss die Gemeinde einen anderen Weg finden», so die Antragsteller. Sie betonten, dass aktuell in der Dorfkernzone von Ittenthal nicht nur diverse ältere Gebäude mit Sanierungsbedarf, sondern auch mit entsprechendem «Frustpotenzial» vorhanden seien. Von Gemeindeammann Oliver Brem wurde das Anliegen entgegengenommen. Spätestes an der übernächsten Gemeindeversammlung werde über das weitere Vorgehen informiert. Der Gemeinderat sei sich des Problems und des «Ballenberg-Stempels» bewusst, mit welchem Liegenschaftsbesitzer in Ittenthal zu kämpfen hätten. Nach Abschluss der Revision der Nutzungsplanung könne die «Herausforderung Ittenthal» nun aktiv angegangen werden, versprach Brem.
Weitere Wortmeldungen aus der Versammlungsmitte betrafen den neuen Dorfplatz im Mitteldorf, bei welchem zusätzliches Grün der Hitze entgegenwirken soll, den offenbar mangelhaften Sonnenschutz beim neuen Dreifachkindergarten sowie den Lift im Gemeindehaus, welcher nicht wie vereinbart jeweils eine halbe Stunde vor und nach Gottesdiensten und weiteren Anlässen in der Kirche zur Verfügung stehe.
Nationalrat als Bundesfeierredner
Der Gemeinderat informierte unter Verschiedenes seinerseits über diverse aktuelle Projekte. So konnte er etwa bekanntgeben, das die im März durch den Regierungsrat genehmigte Nutzungsplanung mit Kosten von rund 510'000 Franken abschliessen dürfte. Vor 9 Jahren war hierfür ein Kredit von 255'000 Franken gesprochen worden. Weiter informierte er, dass der Kiesabbau Langenacher Nord aufgrund geänderter Rahmenbedingungen vorerst zurückgestellt wurde, und dass in Zusammenhang mit den FlexBase-Bauarbeiten (u.a. Batteriespeicher) eine Einzonung auf Kaister Boden für ein Unterwerk geplant sei und dass während der aktuellen Umfahrung von Kaisten durch den «FlexBase-Lastwagenverkehr» eine Inkonvenienzentschädigung in Höhe von 1 Steuerprozent oder rund 78'000 Franken pro Jahr vereinbart wurde – ein willkommener Zustupf in die Kaister Kasse. Zudem durfte Gemeindeammann Olivier Brem bekanntgeben, dass für die diesjährige 1.-August-Feier Nationalrat Christoph Riner aus Zeihen als Festredner gewonnen werden konnte. Mit dem Dank für die Teilnahme und die wiederum bewiesene gute Diskussionskultur in Kaisten konnte der Gemeindeammann die Versammlung um 21.50 Uhr schliessen und zum Apéro einladen.
Ortsbürger
Vor den Einwohnern hatten die Ortsbürger ihre Gemeindeversammlnug abgehalten. Von total 523 Ortsbürgern waren 75 oder 14,3 Prozent anwesend. Sie hatten eine kurze Traktandenliste: Protokoll, Rechenschaftsbericht und Rechnung 2025, welche mit einem Aufwandüberschuss von rund 135'000 Franken abschloss (Budget rund 96'000 Franken). Die Anträge wurden genehmigt. Unter «Verschiedenes» wurde das Thema «Restaurant Sonne Ittenthal», eine Liegenschaft der Ortsbürgergemeinde aufgegriffen bzw. die in verschiedenen Bereichen bestehenden Differenzen mit dem Pächter. Es wurde der Wunsch geäussert, dass der Gemeinderat mit dem Pächter das «Wie weiter?» diskutieren soll.