(pd) Die 62. Radsporttage Gippingen sind Geschichte – und werden in vielerlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Mehr Zuschauerinnen und Zuschauer entlang der Strecke, mehr Athletinnen und Athleten in den verschiedenen Kategorien, mehr Stimmung im Festgelände und nicht zuletzt mehr Spektakel auf der Rennstrecke sorgten für ein äusserst erfolgreiches Radsportwochenende im Zurzibiet.
Höhepunkt war der 62. GP Gippingen am Sonntag, den der Belgier Liam Slock (Lotto Intermarché) nach einem denkwürdigen Finale vor Aleksandr Vlasov (Red Bull – BORA – hansgrohe) und Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) gewann.
Mehr Spektakel: Ein Zieleinlauf für die Geschichtsbücher
Der GP Gippingen bot den Zuschauerinnen und Zuschauern während mehr als vier Stunden hochklassigen Radsport. Die Entscheidung fiel erst in der Schlussphase, als sich Liam Slock, Aleksandr Vlasov und Olympiasieger Richard Carapaz vom restlichen Feld absetzen konnten. Dahinter kämpfte auch Lokalmatador Jan Christen (Swiss Cycling) lange um den Anschluss und hielt sich bis in eine der letzten Verfolgergruppen. Gegen das enorme Tempo des Spitzentrios konnte er jedoch nicht mehr dagegenhalten und beendete das Rennen auf Rang 26. Bester Schweizer wurde Mauro Schmid Team Jayco AlUla) auf dem ausgezeichneten neunten Platz. Silvan Dillier (Swiss Cycling) erreichte das Ziel auf Rang 61.
Für die Szene des Tages sorgte allerdings Sieger Liam Slock. Der Belgier stürzte wenige Meter vor der Ziellinie beim Jubeln über seinen vermeintlich sicheren Erfolg spektakulär, rutschte über den Asphalt ins Ziel und kam wenige Zentimeter hinter der Ziellinie zum Stillstand. Zum Glück konnte der Fahrer kurz darauf mit ein paar Schürfwunden seinen Sieg gebührend feiern. Liam Slock sicherte sich damit seinen ersten Profisieg überhaupt. «Einen solchen Zieleinlauf erlebt man vielleicht einmal in einer ganzen Karriere. Für Liam Slock ist es der erste Profisieg seines Lebens, und dieser wird für immer mit dem GP Gippingen verbunden bleiben», sagt Stefan Schenkel, Verantwortlicher für den GP Gippingen. «Das Video wird bereits weltweit geteilt und macht unseren Anlass weit über die Landesgrenzen hinaus sichtbar.»
Mehr Publikum entlang der Strecke
Auch entlang der Strecke waren deutlich mehr Zuschauerinnen und Zuschauer unterwegs als in den Vorjahren. Bereits bei der Fahrerpräsentation herrschte grosser Andrang. Die Kombination aus sommerlichem Wetter, der Rückkehr des GP Gippingen auf den Sonntag sowie einem hochkarätigen Teilnehmerfeld lockte zahlreiche Radsportfans ins Zurzibiet. Mit ehemaligen Weltmeistern wie Julian Alaphilippe, Olympiasieger Richard Carapaz und zahlreichen Schweizer Aushängeschildern war das Interesse entsprechend gross. «Wir durften an allen Standorten deutlich mehr Besucherinnen und Besucher begrüssen. Das hat teilweise zu kurzen Wartezeiten geführt, gleichzeitig aber gezeigt, wie gross die Begeisterung für den Radsport in Gippingen und im ganzen Zurzibiet ist», freut sich OK-Präsident René Huber und dankt allen gleichzeitig für die Unterstützung.
Mehr Wind, mehr Härte
Für einmal spielte auch das Wetter eine besondere Rolle. Während die Temperaturen ideale Bedingungen boten, stellte der kräftige Wind Fahrer, Helfende und Zuschauer gleichermassen vor Herausforderungen. «Zeitweise war es so windig, dass kaum ein Halten war», sagt René Huber mit einem Schmunzeln. Gleichzeitig sorgten die Bedingungen für zusätzliche Härte auf der ohnehin anspruchsvollen Strecke und trugen ihren Teil zu den spannenden Rennverläufen bei. Der selektive Kurs verlangte den Fahrerinnen und Fahrern alles ab. Besonders eindrücklich zeigte sich dies im Elite/U23-Rennen: Obwohl diese Fahrer auf einer kürzeren Strecke unterwegs waren, absolvierten sie aufgrund der höheren Rundenzahl sogar mehr Höhenmeter als die Profis. Von knapp 200 gestarteten Fahrern erreichten lediglich rund 70 das Ziel innerhalb der Wertung.
Mehr Sport während drei Tagen
Die Radsporttage Gippingen boten auch 2025 wieder die gesamte Vielfalt des Strassenradsports. Von den Nachwuchskategorien über die Frauenrennen bis hin zu den Elite- und Profirennen sowie dem Paracycling standen während drei Tagen zahlreiche Wettbewerbe auf dem Programm. Besonders die Piccolorennen am Samstag erfreuten sich erneut grosser Beliebtheit und sorgten für viele emotionale Momente. «Wir konnten einen Anstieg der Anmeldungen von ungefähr 25 Prozent verzeichnen. Das ist sehr erfreulich, vor allem wenn man bedenkt, dass einige Radrennen am Freitagnachmittag stattfanden», sagt Erich Spuhler, Verantwortlicher Sport.
Mehr zusammen – auf und neben der Strecke
Nicht nur der Sport, sondern auch das gesellschaftliche Leben kam während der Radsporttage Gippingen nicht zu kurz. Die Unterhaltungsabende am Freitag und Samstag waren bestens besucht und sorgten gemeinsam mit den zahlreichen Partnern und Sponsoren für eine stimmungsvolle Atmosphäre auf dem Festgelände. «Die Radsporttage werden nicht nur wegen des Sports geschätzt. Sie sind längst auch ein Volksfest geworden, das Menschen aus der ganzen Region zusammenbringt», sagt René Huber. Möglich gemacht wurde dies einmal mehr durch rund 350 Helferinnen und Helfer. Besonders erfreulich sei, dass immer mehr junge Menschen Verantwortung übernehmen und sich aktiv im Anlass engagieren. «Der Gippinger Geist lebt – mehr denn je. Junge Leute aus dem Zurzibiet und weit darüber hinaus bringen neue Ideen ein und profitieren gleichzeitig vom Wissen der erfahrenen Generation. Genau dieses Zusammenspiel macht unsere Radsporttage aus und sichert ihre Zukunft», so Huber abschliessend.
Erstes Bild: Spektakuläre Zieleinfahrt des Belgiers Liam Slock vom Team Lotto-Intermaché. Foto: Wagner by Alexander Wagner (awa)
Zweites Bild: Die Regierungsräte Dieter Egli sowie Dr. Markus Dieth zusammen mit dem verletzten Fabio Christen und OK-Präsident René Huber (von links). Foto: Wagner by Alexander Wagner (awa)